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Chronik der Gärtnersiedlung Anholt

Die Idee, eine konzentrierte Produktionsfläche für den Gartenbau zu schaffen, hatte der Gartenbauinspektor und damalige Leiter des Grünflächenamtes des Kreises Borken, Herr Bernhard Altena. Hintergrund der Idee war, den Gartenbau im Kreis Borken zu fördern, um zum Beispiel nachgeborenen Bauernsöhnen kleinbäuerlicher Betriebe eine eigene Existenz zu ermöglichen.

Die ersten Besprechungen mit dem Oberkreisdirektor Lengert begannen schon 1950. Durch die gute Lage des Kreises Borken, mit dem gärtnerisch geprägtem Holland im Nord-Westen und dem Ruhrgebiet als Absatzgebiet im Süd-Osten, erschien die Schaffung neuer moderner Gartenbaubetriebe lohnend. Der Absatz sollte nicht wie bisher direkt an den Kunden vor Ort, sondern über den Großhandel laufen. Auch die Boden- und Klimaverhältnisse sprachen für die Region.

1955 ging es auf Standortsuche im Raum Anholt, wo es im Dwarsefeld geeignetes Gelände gab. Die ersten Besprechungen mit der damaligen Eigentümerin Fürstin Ida zu Salm-Salm fanden dann 1958 statt. Die Verhandlungspartner für die Umsetzung waren damals das Amt für Agrarordnung in Coesfeld, die Siedlungsgesellschaft Rote Erde, die Landwirtschaftskammer Münster, die Stadtverwaltung Anholt und die Kreisverwaltung in Borken.

Es konnten 60 Morgen Fläche für das Siedlungsprojekt erworben werden und 1959 konnte die Auswahl der Siedler erfolgen. Voraussetzungen waren ein Gärtner-Meisterbrief, ein Siedlereignungsschein und eine Verlobte oder besser noch eine Ehefrau. Die Gesamtkosten jeder Siedlerstelle wurden mit 125.000 DM veranschlagt, die für das Wohnhaus und ca. 1.000 m² Gewächshaus reichen sollten. Mindestens 10 Prozent des Betrages sollten in Eigenleistung erbracht werden.

Ende 1959 wurden dann die ersten Siedlerstellen vergeben und 1960 begann auch schon der Aufbau der ersten Wohn- und Gewächshäuser. Zu Beginn der Bauphase schliefen die Bauherren in den Gewächshäusern oder fanden bei benachbarten Bauern Unterschlupf.

Die ersten angebauten Produkte waren Mitte 1960 neben Gemüse auch schon Schnittblumen wie Chrysanthemen, Lilien, Nelken und Rosen, sowie Eriken und Azaleen in Tontöpfen. Der Absatz erfolgte nicht ortsgebunden, sondern über den Großhandel, N.B.V. (Niederrheinische Blumenvermarktung) in Neuss, die Gemüseversteigerung in Wesel und die Azerca in Kevelaer.

15 Jahre später, 1975, umfasste die Gärtnersiedlung Anholt bereits 82.000 m² Gewächshausfläche mit damals modernen Einrichtungen wie zentrale Heizkesselanlagen, Kulturtischen, temperaturgeführte Lüftungs- und Heizungssteuerungen, Bewässerungsanlagen u.s.w.

Bedingt durch die Ölkrise erfolgten in diesem Zeitraum aber auch viele Umstellungen für alle Betriebe. Es wurden schwere Zeiten für die Unternehmen, aber durch Mut, Geschick und Nutzung anderer Energieträger konnte die Krise gemeistert werden.

Bis heute sind die Produktionsanlagen ständig modernisiert worden, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Nach nunmehr 50 Jahren hat die Gärtnersiedlung Anholt eine Gesamtgewächshausfläche von 110.000 m² mit 120 Arbeitskräften und ist stolz darauf, bis heute 126 Zierpflanzengärtner ausgebildet zu haben.

Auch die Vielfalt der Kulturen ist erwähnenswert, so werden zur Zeit eine breite Palette von Jungpflanzen, Schnittblumen und Topfpflanzen produziert. Bei Jungflanzen wird das Komplettsortiment an Beetpflanzen und Chrysanthemen sowie Hortensien angeboten. Amaryllis, Chrysanthemen, Hortensien und Rosen werden als Schnittblumen angebaut. Im Topfpflanzenbereich reicht die Palette von zahlreichen Beet- und Balkonpflanzen, Callunen, Chrysanthemen, Cyclamen, Eriken, Fuchsien, Hebe, Hedera, Hortensien, Impatiens, Peperomien, Poinsettien, Saintpaulien, Stauden bis zu Topfkräutern. Alle Artikel hier aufzuführen, würde den Rahmen sprengen.

Der Verkauf unserer Blumen und Pflanzen erfolgt in jedem Betrieb anders. Vieles geht über Versteigerungen, Großhändler, Abholmärkte und im Direktvertrieb.